Führungskräfte im digitalen Wandel: „Sie werden Grenzen durchbrechen müssen“

Die digitale Transformation verändert Unternehmen und damit auch die Rollen von Führungskräften. Die alten Regeln gelten nicht mehr und wer auf der Karriereleiter nach oben will, muss gänzlich neu denken.

Mit der Digitalisierung kommen auf Unternehmen neue Herausforderungen zu. Um diese zu meistern, stehen auch Veränderungen in der Struktur an. Dass sich damit die Ansprüche an Führungskräfte in Unternehmen ändern und wie sich diese auf die persönliche Karriereplanung von Managern, Abteilungsleiter und Teamleads auswirken, zeigen neue Forschungsergebnisse einer Studie von The Economist Intelligence Unit, gesponsert von Salesforce.

Basierend auf einer Umfrage unter westeuropäischen Führungs- und Leitungskräften in den Bereichen Verkauf, IT, Marketing und Kundenservice sowie auf Tiefeninterviews zeigt die Studie, dass die durch die digitale Disruption auftretende Vermengung von Unternehmensfunktionen die früher deutlichen Karrierewege zu beruflichem Erfolg und Führungspositionen verwischt.

Herausforderungen der Digitalen Transformation als Chance

Vom Wandel der letzten Jahre profitieren natürlich auch einige Charaktere. Wer sich die verwischten Grenzen in den Unternehmensstrukturen zunutze macht und damit seinen Horizont erweitert, abteilungsübergreifende Netzwerke auf- und ausbaut, der positioniert sich für funktionsübergreifende Führungsaufgaben und rüstet sich damit für die Zukunft.

In der Vergangenheit zeigten klar definierte Funktionssilos ehrgeizigen Mitarbeitern unmissverständlich den Weg an die Spitze: Um beispielsweise Marketingleiter zu werden, musste man sich auf die technischen, betrieblichen und strategischen Fähigkeiten des Marketings spezialisieren.

In diesem Zeitalter der digitalen Disruption sind diese Silos jedoch eine Belastung. Abteilungsübergreifendes Arbeiten ist erwünscht und bald wohl schon eine Notwendigkeit. Die Mehrheit der deutschen Befragten (54 Prozent) stimmt zu, dass „Unternehmensführer heute keinen beruflichen Erfolg mehr erwarten können, wenn sie nur in einer Abteilung Erfahrungen gesammelt haben“.

Erstens verlangt das Tempo der Innovation schnelle und ständige Zusammenarbeit, was wiederum eng zusammenarbeitende, funktionsübergreifende Teams erfordert. Zweitens verläuft die Trennlinie zwischen Marketing, Vertrieb, Kundenservice und IT lange nicht mehr so deutlich wie früher, da heutzutage die Kundenbeziehungen hauptsächlich über digitale Kanäle gepflegt werden.

Neue Fähigkeiten sind gefragt

Eine der bedeutendsten Veränderungen für Führungskräfte ist also das bereichsübergreifende Arbeiten, das dazu führt, dass ihre Rolle mit der anderer Führungskräfte zusammen wächst. Mehr als 70 Prozent der Befragten gaben an, dass sie diese Entwicklung beobachten. Diese unklaren Abteilungsgrenzen erschweren aber auch die Planung des beruflichen Werdegangs, sagen 48 Prozent. Ebenso wird die Haltbarkeit von Kompetenzen immer kürzer. Folgende Fähigkeiten werden laut den Befragten in den kommenden Jahren in leitender Funktion immer wichtiger werden:

  • Fähigkeit zur Motivation der Mitarbeiter (78 Prozent)
  • Innovation (71 Prozent)
  • Empathie (70 Prozent)
  • Veränderungsmanagement (68 Prozent)
  • Datenanalyse (67 Prozent)
  • Fähigkeit zur funktionsübergreifendem Management (66 Prozent)
  • Interne Vernetzung (65 Prozent)

George Zarkadakis, Digital Lead beim Versicherungsanbieter Willis Towers Watson und Teilnehmer an der Umfrage, gibt an, dass ein digitaler Anführer den Mut aufbringen müsse, eingefahrene Wege zu verlassen, ohne auf Einfühlungsvermögen und Vertrauen zu verzichten. „Sie werden Grenzen durchbrechen müssen. Sie werden sich mit Widerstand auseinandersetzen müssen. Sie werden Mauern überwinden müssen“, so Zarkadakis. „Neben Mut muss man jedoch auch in der Lage sein, Vertrauen zu schaffen, weshalb ein hohes Maß an sozialer Intelligenz unerlässlich ist.“

Was wird von zukünftigen Führungskräften erwartet?

Derzeitige und angehende Führungskräfte müssen also die Führungsanforderungen von morgen berücksichtigen, wenn sie ihre Karriere effektiver planen wollen.

Professor Charles Galunic von der Graduate Business School INSEAD ermittelte drei Typen von Charakteren, die Unternehmen seiner Meinung nach benötigen, um im digitalen Zeitalter zu überleben. Es geht hierbei um den Bedarf an Teams, die funktionsübergreifend an digitalen Projekten arbeiten.

Den ersten Typ nennt er „The Quants“ (Die Quanten) – diejenigen, die Datenanalytik, komplexe Statistiken und Kodierung verstehen. Der zweite Typ sind die „Digital Natives“ (Die digital Nativen) – Menschen, die sich mit Tools in digitalen und sozialen Medien auskennen und wissen, wie man mit diesen Tools andere erreichen kann. Den dritten Typ nennt er „The Suits“ (Die Anzüge) – spezialisierte Projektmanager und unternehmerisch denkende Menschen, die einen Businessplan zusammenstellen und bei dessen Umsetzung helfen können.

„Die große Herausforderung, die ich heute in Unternehmen sehe, besteht darin, diese drei Einheiten zusammenarbeiten zu lassen“, erklärt Professor Galunic. „Alle drei in einer Person vereint zu haben, ist überaus schwierig. Solch eine Person ist ungefähr so oft anzutreffen wie ein Einhorn. Das bedeutet, dass Unternehmen, die im digitalen Zeitalter erfolgreich sein wollen, diese unterschiedlichen Menschen koordinieren und dafür sorgen müssen, dass sie effektiv zusammenarbeiten.“



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